Die Forderung nach medienpädagogischer Arbeit und medienpädagogischen Angeboten hat sich in den letzten Jahren verstetigt bzw. deutlich vergrößert. Mit der Beschleunigung der medial-technischen Entwicklung und dem Verwischen medialer Grenzen ist medienpädagogische Arbeit in vielerlei Hinsicht wichtiger denn je. Die große Stärke der Medienpädagogik ist zweifelsohne ihr Charakter als Querschnittsdisziplin: Wo die IT fast ausschließlich technisch fokussiert ist nimmt die Medienpädagogik das Soziale in den Blick in dem Bewusstsein, dass technische Entwicklungen vor allem im Sozialen Ihre Bedeutung gewinnen und verändern. Wichtige Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie werden von der Medienpädagogik im Hinblick auf die mediale Wirklichkeit reinterpretiert. Und schließlich sucht Sie nach pragmatischen Antworten auf die alten und neuen Fragen, die sich im Bereich der Pädagogik durch die medial-technische und gesellschaftliche Entwicklung in immer höherer Frequenz zu stellen scheinen: Wie definiert sich Freundschaft im Zeitalter von Social Media? Was bedeutet Privatsphäre im Zuge von Entwicklungen wie Google Glass?
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Eine Stärke der Medienpädagogik ist die Folgenabschätzung
Das größte Potenzial aber, so könnte man sagen, zeigt die Medienpädagogik dort, wo sie partikulare Entwicklungen im Hinblick auf größere Maßstäbe interpretieren kann. Sie hat damit eine wichtige ordnende Funktion in einem immer komplexeren Gefüge der modernen gesellschaftlichen Realität. Anders ausgedrückt: sie ist aufgrund ihres Charakters wie keine andere Disziplin fähig, die Folgen von Entwicklungen im Querschnitt von Technik, Medien, Mensch und Gesellschaft in ihren Konsequenzen abzuschätzen und fundierte Projektionen möglicher Entwicklungslinien vorzunehmen. Spätestens im historischen Rückblick auf mediale Entwicklungen wie dem Buchdruck wird unbestreitbar, dass sie in ihrer Relevanz kaum zu überschätzen sind.
Soweit, so gut, könnte man sagen. Doch die Medienpädagogik ist besonders im politischen Bereich defizitär. Hier spreche ich nicht von der wichtigen Rolle, die sie im Bereich der politischen Bildungsarbeit spielt. Sondern ich meine insbesondere das aktive Handeln im politischen Bereich. Sicherlich stellt die Medienpädagogik auch politische Forderungen. Aber Sie tut es weder konsequent, noch mutig und schon gar nicht im richtigen Maßstab. So ist das Medienpädagogische Manifest zweifelsohne ein wichtiger Beitrag und enthält wichtige politische Forderungen. Die politische Agenda bleibt jedoch auf das Pädagogische verkürzt. Damit nutzt die Medienpädagogik Ihre oben skizzierte Stärke nur marginal, zugespitzt formuliert, sie handelt fahrlässig, in dem sie sie überwiegend ungenutzt lässt.
Die Medienpädagogik braucht eine deutlichere Positionierung für Demokratie und für Menschenrechte
Aktuell zeigt sich dieses Defizit besonders deutlich bei den Diskussionen zu Themen wie Netzneutralität und den gigantischen globalen Überwachungsapparaten namens „PRISM“ und „Tempora“. Wie können wir schweigen, wo wir doch wissen wie wichtig Netzneutralität für eine digitalisierte demokratische Gesellschaft ist? Wie können wir die massive, globale und systematische Verletzung von Grundrechten durch Überwachungsapparate unkommentiert lassen? Wir können es nicht. Wenn sich die Medienpädagogik in ihrem Anspruch und Handeln im Sinne von Bildung und Aufklärung ernst nimmt (und ernst genommen werden will!) kann sie eine deutliche politische Positionierung nicht vermeiden. Und damit meine ich selbstverständlich eine parteiunabhängige Positionierung im Sinne von Demokratie und Menschenrechten. Konsequent bedeutet das für Medienpädagogen und Medienpädagoginnen, dass sie in der Praxis Aufmerksamkeit für solcherlei Fragen schaffen müssen, wie sie es auch schon in vielen anderen Fragen tun. Letztendlich muss also die Disziplin und die Menschen, die sie vertreten, eben jene Bewegung im Politischen vollziehen, die wir den Adressaten unserer praktischen Arbeit immer wieder nahe legen: eigene Standpunkte entwickeln und konsequent vertreten.